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Die Landschaft ist in Manitoba eben wie ein Brett, viel guter Boden und Landwirtschaft in der Fläche und Industrie um Winnipeg. Auf dem Hwy. sind nur vereinzelt Trucks unterwegs. Alles rollt sehr gemächlich vor sich hin. Ich fahre noch bis Virden, einem kleinen Nest entlang der Hwy’s und finde einen Platz zum Übernachten mit Strom und w-lan. Was will man mehr? Auf der Fahrt war es schon richtig heiß und die Klimaanlage im RV hat ihre ersten guten Dienste geleistet. Die funktioniert einwandfrei! Aber heute Abend werde ich wohl die Heizung wieder brauchen. Mit dem Platzbesitzer mache ich noch ein Foto. Er erzählt, vor zwei Wochen hätte hier noch fast ein Meter Schnee gelegen. Aber jetzt würde es schnell warm werden. Das hört man gern.

Donnerstag 30.04.15

Virden Campground

Km-Stand: 3554   

Zeit:   8.00

Herbert Campground

Km-Stand: 4047

Zeit: 18.15

Getankt in Virden Km-Stand:3554

122 l

122 C$

 

Habe ganz gut geschlafen. Der Platz war ja fast leer.  Nur hat mich ein metallenes Hämmern aufgeweckt. Das vollbrachte ein Specht, der sich an einer Mülltonne abarbeitete in der Hoffnung dort ein Würmchen zu erhaschen. In Übersee sind doch manche Dinge anders als in Europa. Nach dem üblichem Frühstück (Marmeladebrot und Tee) noch kurz mit der Tochter ‚gefacetimed‘– was für ein Wortungetüm! Alles so weit in Ordnung.

Dann geht es weiter Richtung Westen. Die Landschaft verändert sich nicht. Endlose Getreidefelder, die hier seltsamer Weise noch nicht bearbeitet sind. Man sieht überall die brach liegenden Stoppelfelder vom letzten Jahr und keinerlei Aktivität seitens der Farmer. Dabei ist morgen der erste Mai. Später erfahre ich, dass man wegen der starken Winde und der damit verbundenen Erosion die Felder nicht bearbeitet. Statt dessen wird in die vom letzten Herbst noch brach liegenden Äcker eingesät. Aha! Der Verkehr auf dem Hwy 1 ist wieder sehr ausgedünnt. Nur um die seltenen Ortschaften ballt sich der Verkehr wie bei den Bienen vor ihrem Haus. Regina lasse ich aus diesem Grund rechts liegen. Die Skyline lockt mich nicht.

Wenn man bedenkt, dass es sich bei dem Hwy 1 um die einzige Ost-West-Verbindung durch Kanada handelt, so ist der wenige Verkehr darauf schon erstaunlich, zumal  dieser 200 km breite Streifen nördlich des 49igsten Breitengrades, welcher die Grenze zur USA darstellt und durch den der Hwy führt,  das am dichtesten besiedelte Gebiet in Kanada ist. Abgesehen von den Großstädten natürlich.

Der Name dieses einsam stehenden Restaurants hat sich mir nicht erschlossen. Ich konnte auch nicht fragen. Es war geschlossen. Wir erinnern uns: Es ist ja noch keine Saison!

Das Wetter ist nach wie vor schön. Eine kurze Schlechtwetterfront trübt vorübergehend den Gesamteindruck. Nur weht im Gegensatz zu gestern ein kühler Westwind, der mitunter stark böig ist und mich zu dauernder Korrektur am Lenkrad veranlasst. Der Radstand des RV ist sehr kurz, das Fahrzeug ist hoch und da spürt man jede Bö.

Plötzlich meldet sich eine Kontrollleuchte der Motorelektronik und ich denke – ‚nicht schon wieder‘.

Da ich nicht um die Gewichtung der Meldung weiß, steuere ich in Moose Jaw eine Ford-Werkstatt, an. Man nimmt sich dem Problem sofort an und nach einiger Zeit des Wartens stellt sich heraus, dass wohl ein Sensor eine Falschmeldung angezeigt hat.  Aber zwei Stunden hat das Ganze dann doch gedauert.

In den 1920iger und -30iger Jahren wurde Moose Jaw von Alkoholschmugglern aus den USA als Versteck genutzt, als dort noch die Prohibition bestand, in Kanada aber schon aufgehoben war. Die Schmuggler benutzten ein schon existierendes Tunnelsystem unter dem Stadtzentrum. Dass sich damals auch zeitweise Al Capone dort aufgehalten haben soll ist nicht belegt. In dieser Zeit bekam das Städtchen den Beinamen Little Chicago.

Den Eindruck macht die Ansiedlung heute nicht mehr und so geht es weiter auf dem Hwy No 1.

Man kommt an einem Ort namens Chaplin vorbei. Der gleichnamige See ist mit 52 qkm der zweitgrößte Salzwassersee Kanadas. Hier ist das Brutgebiet vieler seltener, vom Aussterben bedrohter Vögel. Zudem wird hier auch Natriumsulfat abgebaut. Das ist deutlich vom Hwy zu sehen.

Saskatchewan ist ein riesiges Land, aber sehr eintönig. Herausragend sind nur die Getreidesilos entlang der Eisenbahnlinie. Es geht immer leicht auf und ab und mitunter entfernen sich die beiden Fahrspuren bis zu mehreren Kilometern voneinander.

Der Aufenthalt in der Werkstatt hat mich doch einige Zeit gekostet und mache ich früher Halt als vorgesehen.

Ich campiere in Herbert bei Max. Wer sich da verwundert die Augen reibt, dem sei folgendes erklärt: Herbert heißt ein Ort entlang des Hwy und Max ist der Besitzer des dortigen Campgrounds. Wer nun auf einen urdeutschen Namen tippt und sich fragt welcher Herbert aus welcher Gegend Deutschlands hier gestrandet ist, liegt falsch. Herbert wurde nach dem Britischen Diplomaten Sir Michael Henry Herbert benannt, der hier einige Zeit wegen des Eisenbahnbaues beheimatet war. Aber witzig ist, dass Max, ein äußerst netter und mitteilsamer Mensch ursprünglich aus St. Gallen in der Schweiz kommt und hier seit fast 30 Jahren den Platzwart gibt und sich mit allerlei anderen Tätigkeiten über Wasser hält. Er sagt, wenn er an die Berge der Schweiz denkt, dann kriegt er Platzangst. Dann ist er hier definitiv besser aufgehoben. Wenn man im flachen Land Frieslands schon einen Tag früher weiß wer zu Besuch kommt, so kann man hier mindestens eine Woche früher alles Essbare vor der Verwandtschaft in Sicherheit bringen.

Freitag 01.05.15

Herbert Campground

Km-Stand: 4047

Zeit:   7.30

Medicine Hat

Km-Stand: 4320

Zeit: 18.15

Getankt in Swift Current Km-Stand: 4093

81 l

78 C$

 

Die Nacht war kalt aber nicht so kalt, so dass die Heizung, wohl laut tariflicher Absprache, nicht mit Arbeitsverweigerung reagieren konnte und zuverlässig arbeitete. Sie merken schon, dass ich diesem Aggregat in der Zwischenzeit etwas von einer bewussten Intelligenz andichte. Ohne Ohro-pax wäre es aber nicht auszuhalten gewesen, da das lästige Einschaltgeräusch mich sonst aus allen kanadischen Träumen gerissen hätte. Gewisse Rachegelüste kleiner, untergeordneter Maschinchen sind nicht von der Hand zu weisen.

Habe am Abend erfolglos auf einen train gewartet. Mit train sind eigentlich nur die Güterzüge gemeint. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie zum einen zweistöckig mit Standartcontainern beladen sind, von bis zu vier Lokomotiven gezogen werden und zum anderen mehrere Kilometer lang sein können. Wenn sich da die Schranke über die Bahngleise herabsenkt, so gehen die Einheimischen gerne einen Kaffee trinken. Und dabei kann man sich Zeit lassen, denn bis dieser ganze Lindwurm vorbei gezogen ist, vergehen gerne bis zu 15 Minuten.

Am nächsten Morgen verkündet dann doch ein schon lange im Voraus wahrnehmbares Pfeifen die Durchfahrt eines solchen Güterzuges. Beeindruckend! Die Erde bebt 20 Minuten lang und ich mache den Test mit dem Kaffee. Es passt. Max verabschiedet mich äußerst freundlich und konfrontiert mich mit der Bitte, mich auf jeden Fall zu melden, wie und wann ich zuhause angekommen bin. Und falls meine Reise  doch in irgendeine Form der Verbreitung münden sollte, so wolle er auch ein Exemplar haben. Das kriegen wir hin.

Nach etlichen Kilometern überquere ich die Grenze zum Bundesstaat Alberta. Noch kündet nichts den Beginn bergiger Ausläufer an. Das Landschaftsbild ist geprägt von eindeutig zweidimensionalen Strukturen.  Ich suche den Horizont ab nach den riesigen Büffelherden aus den vierfarbigen Prospekten, die, gejagt von waghalsigen Mustag-reitenden Cowboys, Staub aufwirbelnd die Sonne verdunkeln. Vergebens!  An einem schön ausgestatteten aber leider geschlossenen Visitor-Center mache ich Mittagspause und surfe ein  wenig im Netz. Den Router hat man, wie es scheint, über den Winter nicht ausgeschaltet.

Die Landschaft ändert sich wenig. Nur hat man so langsam das Gefühl, dass mit jeden Tag auch der Fortgang der Vegetation ein wenig mehr zu erahnen ist. Äußerst lästig ist der starke, böige Wind. Das Fahrzeug ist fast nicht auf der Straße zu halten und der Widerstand ist so stark, dass die Automatik, fährt man schneller als 80 km/h, ständig in den nächst kleineren Gang schaltet. Der Spritverbrauch ist dann dem entsprechend. Bei Medicine Hat habe ich genug und suche mir einen Platz für die Nacht. Der etwas außerhalb, hübsch gelegene Campground beherbergt wieder viele Dauercamper in riesigen Wohnmobilen mit Anhängervorrichtung für die Begleitfahrzeuge. Manche Kombinationen erscheinen allerdings etwas abenteuerlich. Dagegen ist mein Fahrzeug doch richtig bescheiden.

Es ist eigentlich noch früh am Tag, die Sonne scheint, der Wind fegt ungebremst über die Prairie und ich gönne mir nach etlichen Tagen den ersten Mittagsschlaf. Der Wind macht müde. Später mache ich noch eine Tour, um mir die Beine zu vertreten und um mich ein wenig umzuschauen. Allerdings herrschen hier amerikanische Verhältnisse. Das heißt fußläufig ist fast nichts zu erreichen. Downtown ist durch den HwY 1 getrennt und kaum zu überqueren. Das Center ist ca. 4 km entfernt und die nächste Einkaufsmöglichkeit ist nur 2 Meilen entfernt, wie der Platzbesitzer sagt. Es ist im Übrigen erstaunlich, wie man hier den Begriff Meile und die metrischen Maße parallel nutzt. Dabei gibt es ja auch noch die US-Meilen und die Kanada-Meilen,  die bei weitem nicht identisch sind.

Medicine Hat leitet seinen Namen aus dem, wie sich denken lässt, Indianischen ab und bedeutet Adlerfeder, die am Hut getragen wurde. Wie viele dieser Ortschaften hier im Westen Kanadas verdankt die Ansiedlung ihre Entstehung der Canadian Pacific Railway, die sich hier durch die Prairie vorgearbeitet hat. Dabei stieß man auf ein reiches Erdgasvorkommen.  Bis heute besteht die Beleuchtung der Innenstadt aus Gaslampen. Einen nicht unerheblichen Einwohnerzuwachs erlebte Medicine Hat nach 1943 dadurch, dass hier das größte Kriegsgefangen-Lager Kanadas im Zweiten Weltkrieg eingerichtet war. Dieses wurde dann bis 1950 wieder aufgelöst.